Vergleichen - nicht immer nützlich...

Warum Vergleichen unglücklich macht und wie du damit aufhören kannst

Heute möchte ich dir eine Geschichte zum Thema Vergleichen erzählen.

Achtziger Jahre. Beim Kochen in meiner Studentenbude hörte ich eine Radiosendung über kulturelle Themen. 

Ein Anthropologe berichtete von einem kleinen Volk irgendwo in Ostafrika, das er in den 1960er Jahren besucht hatte. Dieses Volk war damals noch nie mit der westlichen Kultur in Berührung gekommen. 

Die Menschen, so beschrieb er, waren unglaublich freudvoll und in sich ruhend. Sie waren sehr selbstbewusst und hatten ihre Welt auf kluge und umsichtige Welt strukturiert und geregelt.

Ich war so gebannt, dass ich aufhörte zu schnippeln, mich auf einen Stuhl sinken ließ und nur noch lauschte.

20 Jahre später reiste der Anthropologe wieder zu diesem Volk, das inzwischen nicht nur ihn als Gast gehabt hatte, sondern zu dem auch andere Forscher und in deren Gefolge Missionare und andere Westler gereist waren und sich dort niedergelassen hatten.

Er traf Menschen an, die er als gebrochen bezeichnete. Sie wirkten ärmlich und verloren. Ihr Selbstvertrauen und ihre Freude waren verschwunden. Der Anthropologe war erschüttert.

Was war geschehen? Diese Menschen hatten begonnen, sich zu vergleichen. Ihnen war suggeriert worden, dass sie nicht richtig waren, so wie sie waren. Dass ihre Kultur und ihr Glauben unterlegen waren.

Ich habe diese Radiosendung nie vergessen, sie hat mich tief berührt. 

Der Vergleich ist der Vater des Unglücks

Der Vergleich, so sagt ein Stichwort, ist der Vater des Unglücks. Und das zeigt diese Geschichte deutlich.

Auch in unserem persönlichen Bereich trifft das zu. 

Schon als Kinder wurden viele von uns verglichen. Schau dir deine Kusine an, die bringt immer gute Noten mit! Sieh mal, dein Bruder räumt sein Zimmer immer auf! - die anderen waren besser als wir. Was vielleicht als Ansporn gedacht war, hieß für die Betroffenen: ich bin schlechter als die Kusine oder der Bruder.

Als Erwachsene spielen wir das (böse) Spiel dann mit uns selbst weiter. Gerade wir Frauen haben einen Hang dazu, uns mit einer imaginären perfekten Frau zu vergleichen, deren Perfektheit wir natürlich nie erreichen, und beschäftigen uns dann damit, uns schlecht zu fühlen.

Darin sind wir Meisterinnen! Denn es gibt immer jemanden, der oder die in irgendetwas besser ist als wir. 


Warum vergleichen dir nicht gut tut

• Ein Vergleich ist immer unfair

Wenn du dich mit anderen vergleichst, geht das immer schlecht für eine der Parteien aus. 

Entweder du erhebst dich über die andere Person, ohne zu beachten, ob du die Leistung der anderen überhaupt mit deiner vergleichen kannst (hatte sie dieselben Voraussetzungen, z.B. dieselbe Ausbildung?),

oder du fühlst dich einer anderen Person unterlegen - auch in diesem Fall, ohne den Hintergrund der anderen Person zu sehen. 

In beiden Fällen bist du unfair - jemand anderem oder dir selbst gegenüber.


• Nach welchem Maß vergleichst du?

Äpfel und Birnen vergleichen

Dich mit einer anderen Person zu vergleichen, ist wie Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen.

Was ist das Maß? Wer entscheidet, was richtig und was falsch ist?

Nimm zum Beispiel das Körpergewicht - wer in Europa eine gute Figur hat, würde in anderen Kulturen als krass untergewichtig gelten.

Oder die Haartracht - wo lange Haare bei Männern heute als hippie-mäßig gelten (allerdings almählich, vor allem wenn zum Knoten gebändigt, auch als hip), da waren sie im Mittelalter das Zeichen dafür, dass Mann frei war und kein Leibeigener. Der musste nämlich seine Haare kurz tragen.


• Vergleiche sind oberflächlich

Was steckt hinter der Fassade?

Wenn du das fehlerfreie Englisch deiner Kollegin beneidest - hattest du wie sie eine Kindheit in verschiedenen Ländern, wo ihr Vater als Ingenieur arbeitete und sie in internationale Schulen ging, aus denen sie immer dann gerissen wurde, wenn sie gerade wieder ein paar Freunde gewonnen hatte?

Du kennst ihre Geschichte nicht und weisst nicht, ob ihr Englisch nicht eines der wenigen guten Dinge ist, die ihr aus ihrer Kindheit geblieben sind.

Oder wenn du die schlanke Linie dieser Schauspielerin bewunderst und dich dick und unförmig dagegen fühlst, hättest du wirklich den Nerv, jeden Morgen um 5 Uhr aufzustehen, um zu trainieren, und dein Essen allein nach Nährwert, Vitamingehalt und Verhältnis von Proteinen zu Kohlehydraten auszuwählen?


• Mit Vergleichen kann man manipulieren

Bleiben wir mal beim Beispiel des weiblichen Hangs zum Äußeren...

Du hast dunkle Haare und hättest so gerne blonde? Oder lockige Haare und hättest so gerne glatte? Was ist es nur, das uns antreibt, anders sein zu wollen?

Werbung manipuliert

Fakt ist, dass diese Tendenz von Werbung und Marketing angetrieben und befeuert wird. Ein krasses Beispiel, das uns täglich begegnet, sind die Plakate von schlanken, schönen Frauen, die es so gar nicht gibt. Ohne Photoshop hätten sie weniger lang(gezogene) Beine, nicht so eine Wespentaille, einen kleineren Busen und ein weniger porzellanglattes Gesicht.

Wir aber, mit diesem inneren (nicht realen) Bild der perfekten Frau, beginnen uns mit solchen Trugbildern zu vergleichen. Werden unglücklich und versuchen, unser Ziel, so auszusehen wie die Plakat-Schönheiten, durch Diäten zu erreichen - oder unseren Frust, der bei unserem Vergleich entsteht, durch Schokolade zu besänftigen...


• Durch Vergleiche nimmst du dir deine Einzigartigkeit

Die Natur will keine Einförmigkeit. Es gibt eine unglaubliche Vielfalt in allem, sogar in den kleinsten Organismen, und umso mehr bei uns komplexen Wesen. Würden wir alle unserem Ideal entsprechen, wären wir nicht mehr wir selbst. Wir würden nicht nur uns, sondern auch die Menschen um uns herum unserer Einzigartigkeit berauben.


Das Vergleichen stoppen

- wie kann das gehen?

In 3 Schritten kannst du aufhören, dich mit anderen zu vergleichen (oder es zumindest weniger tun):

1. Achte auf deine Gedanken

Sei achtsam. Wenn du vergleichst, merke es, lass' dir bewusst werden, wie oft du dich vergleichst. Kritisiere dich nicht dafür - du hast das lange geübt und ziemlich sicher schon als Kind anerzogen bekommen.

Mach' dir die Punkte von oben aus dem Artikel klar. Erkenne an, dass dein Muster momentan so ist, wie es ist.

Beobachte, was genau in dir geschieht. Es ist, als hätten wir zwei verschiedene Modi. Wir können zum einen mit nach aussen gerichteten Antennen leben und uns fast von aussen betrachten.

Zum anderen können wir unsere Achtsamkeit auf uns selbst lenken.

2. Richte deine Gedanken auf deine eigenen positiven Entwicklungen und Erfolge

Wir können uns auf unser Körpergefühl ausrichten oder auf unsere Gedanken.

Wende nun deine Gedanken etwas Positivem in dir zu. Schau auf deine äußeren und inneren Erfolge, ganz egal ob sie groß sind oder vielleicht klein. Ich habe mir zum Beispiel in den letzten Monaten angewöhnt, als allererstes am Morgen das Bett zu machen. Das fühlt sich gut an! 

3. Würdige deine Entwicklungen und sei dankbar für die positiven Dinge in deinem Leben

Es macht mich zufrieden, das Bett gemacht zu haben, weil ich so als Erstes morgens ein Erfolgserlebnis habe. Und es durchzuhalten ist ebenfalls ein Erfolg!

Dankbarkeit

Und wenn ich heute anfangen will, mich mit dem zu vergleichen, was ich gestern alles geschafft habe (und es merke), lächle ich und entscheide mich dafür, mich lieber darüber zu freuen, was ich gestern gewuppt habe 🙂

Und daran kannst du noch einen Moment der Dankbarkeit anschließen. Dankbarkeit ist ein wunderbar stärkendes und glücklich machendes Gefühl, das wir recht einfach selbst machen können.

4. Bonus 😉

Stell' dir jetzt mal vor, durch einen Zaubertrick könntest du jetzt dauerhaft die andere Person werden. Möchtest du das wirklich? ;o)


Wie gehst du damit um, wenn du dich durch Vergleichen unglücklich machst? Merkst du es? Holst du dich da 'raus, und wie? Ich würde mich sehr freuen, wenn du sie hier mit mir und den anderen LeserInnen teilst!


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